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Brauerei Friedmann seit 1875
Deutlich wie selten dokumentiert die Geschichte der Brauerei Friedmann den tiefgreifenden Wandel, der sich im vergangenen Jahrhundert in der Arbeitswelt vollzogen hat. Was ein honoriger Handwerker in der Kaiserzeit begann, führt eine engagierte Frau ins dritte Jahrtausend.
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Als Christoph Friedmann 1875 das " Heldsche Brauhaus" übernimmt, ist
das Bierbrauen eine Sache für gestandene Mannsbilder mit breiten
Schultern und Scheiteln wie von einem Handkantenschlag gezogen. Noch
gibt es kaum Maschinen. Hopfen, Malz und Wasser müssen mit schierer
Muskelkraft ins richtige Verhältnis gebracht werden.
Die am Kühlschiff abgekühlte dunkle Würze, die damals als einzige Sorte
gebraut wird, schleppt man in Butten mühsam zum Vergären und Lagern in
die Keller am Jägersberg. Vor dem Bier fließt der Schweiß in Strömen.
Die Gerste für das Friedmannsche Bier baut der Familienbetrieb in einer
zugehörenden Landwirtschaft gleich selber an. Damals folgt die
Produktion den Jahreszeiten: Im Winter wird zu Bier vergärt, was im
Herbst auf den Feldern geerntet wurde.
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1909 beginnt die 50-jährige Ära des Georg Friedmann. Wie sein Vater
Christoph ist auch Georg sehr bald ein angesehener Honoratior in seiner
Heimatregion und zieht ebenfalls in den bayerischen Landtag ein. Ende
der 20-er Jahre bringt er die Verlagerung der veralteten Braustätte auf
den Weg und lässt am Jägersberg, wo sich bereits die Keller befinden,
neu bauen. Geradezu revolutionäre Apparate, wie zum Beispiel eine
Kühlmaschine, halten Einzug in das Brauhandwerk. Ab jetzt kann in
Gräfenberg ganzjährig produziert werden.
Der Aufschwung des Unternehmens ist unverkennbar und wird in der
nächsten Generation durch kluge Entscheidungen noch gefördert. Ludwig
Friedmann, seit 1959 Chef am Jägersberg, stellt auf Alu-Tanks um.
Außerdem baut er ein neues Sudhaus, gibt die Landwirtschaft auf und
konzentriert sich fortan ausschließlich auf die Braukunst.
Spätestens jetzt wird Friedmann ein Markenname, der bei immer mehr
Biertrinkern im Landkreis Forchheim und darüber hinaus einen guten
Klang hat. In den 60-er Jahren rinnen pro Jahr etwa 600.000 Maß
Friedmann-Bier durch durstige Kehlen.
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Das Unternehmen floriert, doch wie geht's weiter? Mit Ludwig bleibt
erstmals ein Braumeister aus dem Hause Friedmann ohne männlichen
Nachwuchs. Tochter Sigi schlägt von vielen Seiten Skepsis entgegen, als
sie 1982 ihren Vater in der Firmenleitung ablöst. Dabei ist die jüngste
Braumeisterin Deutschlands eine Musterschülerin und schneidet bei der
Prüfung besser ab als das Gros ihrer männlichen Kollegen.
Auch in der Folgezeit erweist sich Sigi Friedmann als würdiges Mitglied der Gräfenberger Brauer-Familie.
Sie krempelt die Ärmel hoch, modernisiert den Betrieb, unter anderem
durch Einbau einer vollautomatischen Abfüll- und einer
umweltfreundlichen Reinigungsanlage, baut das Sudhaus neu und setzt mit
jeder Faser ihres Brauer-Herzens auf Qualität. Unter ihrer Regie wird
das Sortiment aus Vollbier, Pils und diversen Festbieren um den "Ritter
Wirnt Trunk" einer nach einer Figur aus der Gräfenberger Geschichte
benannten Bierspezialität und zuletzt "Sigis Lager" erweitert.
Heute, nach mehr als 125 Jahren wechselhafter Firmengeschichte, ist die
Brauerei Friedmann ein Unternehmen, das sich Dank dreier kluger Männer
und einer außergewöhnlichen Frau den Ruf erworben hat, ein
unverwechselbares Bier zu brauen. Die gestandenen Mannsbilder aus der
Gründerzeit hätten ihre Freude dran.
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